Express-Strickding

Schon vor einigen Wochen hab ich aus England ein ganz tolles Garn geschickt bekommen. Ich liebe die Blueface Leicester Garne. Sie sind robust und weich und außerdem so wunderbar verzwirnt. Ich habe den ersten Strang ganz toll gefärbt und wollte ihn dann aber lieber probestricken, um zu schauen, was ich Euch da so anbiete und ob meine Haspelberechnungen so hinkommen, dass diese Stränge wildern können. Leider wollte ich vorher aber noch einen anderen Strang probestricken und wurde und wurde nicht warm damit und brauchte über zwei Monate für das Paar. Und somit proudly presente ich erst sehr spät das wunderbarste Sockengarn überhaupt, ideal für die allerallerkuschligsten, zugleich aber stabilen Herbstsocken. Es saugt die Farben so gut auf, dass es wirklich ganz fröhlichintensiv bunt ist. Einfach toll! Ich bin begeistert. Es hat eine Lauflänge von 425 m auf 100 g, Zusammensetzung: 75% Schurwolle und 25% Nylon, natürlich superwash. Die Wolle stammt – wie gesagt – von den ganz schönen Bluefaced Leicester-Schafen. Ich habe letzten Freitag angefangen und hatte natürlich nicht wirklich viel Zeit zum Stricken, wie es halt immer so ist. Aber dafür, dass ich mich durch das vorherige Sockenpaar über Monate plagte, bin ich gut vorangekommen. Davon möcht ich mehr! Und wildern tut es eigentlich wohl auch.

Über Goldschätze, und wo sie zu finden sind :-)

In Irland gibt es – das ist klar – allerhand Fabelwesen, unter anderem natürlich auch Kobolde, und die heißen dort “Leprechaun”. Das spricht man Lepruhkon aus, so ungefähr, Gälisch ist ja nicht ganz einfach. Der Leprechaun ist ein sehr schüchterner Geselle, und geizig ist er auch noch. Und er bewacht einen Schazt, nämlich einen Topf mit Gold. Der ist gut versteckt, und der Leprechaun vermacht ihn an diejenige Person, die ihm das Geheimnis des Verstecks entlocken kann. Dazu muss man den erst mal fangen, den Leprechaun, das ist gar nicht so einfach. Wäre ja auch noch schöner, wenn man so einfach an einen Topf Gold käme. Dazu muss man ihn, der ja sehr scheu ist, an den Schultern packen und ihm dann folgen. Einfacher ist es vielleicht, sich am Lieblingsversteck des Leprechauns zu orientieren, oft findet sich dessen Goldtopf nämlich am Ende des Regenbogens, und Regenbögen kommen in Irland gar nicht mal so selten vor. So färbte ich auf Tweed einen Regenbogen, und so könnt Ihr das ja als kleinen Wegweiser zum goldenen Schatz des Leprechauns nehmen 🙂

Warme Pinguine

Mein Chef, der war im letzten Jahr in der Antarktis. Und er hat so schöne Bilder mitgebracht. Am meisten haben mich die zahllosen Pinguine beeindruckt, und während eines Diavortrags meines Chefs fingen meine Färbegedanken an, auf Wanderschaft zu den Eisbergen zu gehen. Pinguine, die könnte man doch gut färben, so dachte ich mir. Und so hab ich also angefangen mit einer Pinguinserie. Damit Euch in Gedanken an die antarktischen Eisvögel nicht zu kalt wird, habe ich dazu die schöne weiße dicke Luxussockenwolle von Schmusewolle genommen. Es macht richtig Spaß, Pinguine zu färben, ich hoffe, dass ich noch einige mehr davon produziere. Jeder ist aber ganz verschieden von den anderen, so wie das bei Pinguinen eben so ist.

Über das Bunte

Ich liebe Farben (das ist praktisch, wenn man Wolle färbt).

Ich liebe vor allem Regenbögen, und ich färbe sie gern. Noch schöner als das Färben von Regenbögen ist aber das Verstricken von Regenbögen.

Gestern abend hab ich mit dem wunderwunderweichen Lacegarn von Schmusewolle einen Drachenschwanz begonnen. Ich stricke ja sozusagen monothematisch. Wenn ein Muster für tauglich befunden worden ist, dann halte ich damit eisern durch. Bei den Socken ist es das wunderbare Abwärtsmuster, und für Tücher muss eben der Drachenschwanz her, der ist bewährt, der trägt sich gut, den kann ich.

Naja, und die Krönung von allem ist nun ein Einhorn-Regenbogen-Drachenschwanz. Ich mochte gar nicht mehr aufhören zu stricken, und ich hoffe, dass ich über die Feiertage damit fertig werde und außerdem noch ein bisschen mehr regenbogige einhornige Tücherwolle färben kann.

Herr von Ribbeck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Theodor Fontane)

Die Kastanie

Im Herbst hab ich immer volle Taschen. Geht es Euch auch so? In der Nähe unseres Hauses steht ein alter Kastanienbaum. Im Herbst ist es eine Freude, dort entlangzugehen. Man raschelt mit jedem Schritt durch das herabgefallene Laub, und da liegen sie dann auch: Die Kastanien. Glatt, rund, glänzend, und mit so einem wunderschönen Braun. Man muss sie einfach aufheben und in die Tasche stecken und dann beim Gehen immer wieder mit der Hand darüber streicheln.

Das ist ein Herbstglück. Ich liebe Kastanien!

Laternenumzug

Bei uns auf dem Dorf gibt es jedes Jahr im November einen großen Laternenumzug. Und zwar ist der gar nicht mit soviel Spielmannszug und Rammtammtamm, wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Nein, das ist sehr besinnlich. Da es ja ein St. Martins-Umzug ist, darf natürlich ein Pferd mit einem bemantelten St. Martin darauf nicht fehlen. Dieses Pferd führt also den Umzug an. Sorgfältig gibt die Freiwillige Feuerwehr acht, dass alle Autos anhalten. Da man die Feuerwehrleutchen ja kennt, wird ein abendlicher Klönschnack gehalten, und weiter gehts. Neben St. Martin schreitet der Dorfpastor mit seiner Gitarre einher und versucht, den Umzug musikalisch zu begleiten. Das klappt nicht immer, ist aber dennoch sehr inbrünstig und wird von allen Kindern lauthals mitgesungen.

Und so wandern wir dann durch das abendliche, novemberneblige Dorf. Und wir wandern um den Dorf-Ententeich, so dass sich ganz um den nebligen Teich im gräulichen Licht ein leuchtend bunter Lichterwurm windet.

Das wollte ich schon immer einmal färben. Ich habe also ein Projekt und färbe lauter bunte Laternchen im nebliggrauen Abend. Und so kommt dann hier der Prototyp:

Ein langer Weg …

Als junges Mädchen habe ich eine Jugendreise nach Irland gemacht und war schnell dem Charme des Landes, der Landschaft und auch der Menschen verfallen. So zog es mich immer wieder dorthin. Ich habe Irland sozusagen intensiv bereist, bin dort mit dem Fahrrad und dem Zelt unterwegs gewesen, habe getrampt, später waren wir dann auch mit dem eigenen Auto unterwegs, aber auch dann meist mit Zelt. Es waren immer Low Budget Reisen, die dennoch ganz schön ins Geld gingen und auch viel Fahrerei mit sich brachten.

Darum war ich jetzt schon viele viele Jahre nicht mehr dort. Aber ich würde so gerne mal wieder nach Irland fahren, weil ich es immer noch im Herzen trage, das Land, die Landschaft, die Menschen. Es hat sich viel verändert, seit ich das letzte Mal da war, und den ganz ursprünglichen Charme wird man dort wohl nicht mehr erleben. So gerne aber würde ich meinem Sohn die Rundtürme, die Dolmen im Burren, die Moorlandschaften und und und zeigen. Mal sehen, irgendwann wird es klappen. Und bis dahin habe ich jedesmal Fernweh, wenn ich Tweedwolle färbe und habe die wunderschöne irische Musik in den Ohren, so auch das Lied “It’s a long way from Clare to here”. Hier ist also der Strang des langen Weges 🙂

In den Bergen

Für diesen Urlaub hatten mein Sohn und ich uns viel vorgenommen. Als im letzten Herbst mein Vater plötzlich verstarb, hatten wir uns vorgenommen, in diesem Urlaub noch einmal auf seinen Spuren zu wandeln, ihm noch einmal nachzuspüren, und an seinen geliebten Mondsee zu fahren. Außerdem wollten wir, zumal die Fahrt sehr lang ist, nachhaltig reisen und mit der Bahn fahren.

So habe ich also schon im Januar nach einer Ferienwohnung am See gesucht und für unschlagbare 150 Euro eine Zugfahrt (inkl. Retour) für uns beide, sogar ICE erster Klasse, gebucht.

Statt eines vollgepackten Autos hatten wir also am Abreisetag dies hier:

Zugreisen lassen sich sehr gut zum Stricken nutzen, und der Kaffee wird einem sogar an den Platz gebracht.

Mit ein ganz bisschen Verspätung trafen wir dann in Salzburg ein und hatten dort noch eine Übernachtung eingeplant, so dass wir abends einen schönen Stadtbummel gemacht haben.

Salzburg ist wunderschön, aber sowohl der Sohn als auch in sind eher Naturmenschen und waren froh, am nächsten Tag an den Mondsee weiterzureisen. Dort war erstmal Regenwetter.

Wir haben uns die Zeit aber gut vertrieben. Und Baden geht auch, wenn es regnet. In den nächsten Tagen wurde es dann aber wärmer, so dass wir froh waren, dass zu der Ferienwohnung auch eine kleine Badestelle gehörte (auch dorthin reiste mein Strickzeug mit):

Wir haben uns also in der nächsten Zeit im und auf dem See getummelt. Zu meinem Geburtstag gab es eine Seerundfahrt und danach eine vom Sohn spendierte Pizza.

Wenn wir nicht im Wasser waren, sind wir durch die Gegend gewandert, das strengt zwar manchmal an, aber gibt auch viel Kraft und gute Gedanken.

Ich liebe ja die alpine Pflanzenwelt und habe mich gefreut, dass wir dieses Jahr sogar einige Enziane gesehen haben.

Alles in allem also ein sehr schöner Urlaub! Etwas getrübt wurde er von einem sehtechnischen Schrecken, weil ich im Urlaub eine Glaskörperabhebung hatte und einen Tag in der Salzburger Augenklinik verbringen durfte. Aber auch das war nicht sooo schlimm, und so bin ich dann voller Farbeindrücke wieder hier und hoffe, dass ich davon einiges auf die Wolle bringen kann.

Wenn …

Als ich die buntgefärbte Sockenwolle für mich entdeckte, waren für mich sehr schnell Tweedgarne die absoluten Favoriten. Und als ich begann zu färben, kam schnell der Zeitpunkt, dass ich auch (unbedingt) auf Tweed färben wollte. Das war damals aber gar nicht so einfach, denn für die einzige Kaufquelle für Tweedgarn in Deutschland benötigte man damals einen Gewerbeschein und musste somit gewerbliche Wollfärberin sein.

Das war die Geburtsstunde des Buntfadens 🙂

Vor einigen Wochen nahm einer meiner “Wolldealer”, bei dem man auch als Ottonormalverbraucherin einkaufen kann, nun auch Tweedgarne ins Programm. Somit kann ich nun neben dem hochedlen britischen Tweed (um den ich wegen des Brexit fürchte) auch wieder soliden weichen deutschen Tweed ins Programm nehmen … und mich darüber freuen, dass der Tweed für Ottonormalverbraucherinnen erst jetzt erreichbar wird. Denn sonst hätte es den Buntfaden womöglich gar nicht gegeben.