In den Bergen

Für diesen Urlaub hatten mein Sohn und ich uns viel vorgenommen. Als im letzten Herbst mein Vater plötzlich verstarb, hatten wir uns vorgenommen, in diesem Urlaub noch einmal auf seinen Spuren zu wandeln, ihm noch einmal nachzuspüren, und an seinen geliebten Mondsee zu fahren. Außerdem wollten wir, zumal die Fahrt sehr lang ist, nachhaltig reisen und mit der Bahn fahren.

So habe ich also schon im Januar nach einer Ferienwohnung am See gesucht und für unschlagbare 150 Euro eine Zugfahrt (inkl. Retour) für uns beide, sogar ICE erster Klasse, gebucht.

Statt eines vollgepackten Autos hatten wir also am Abreisetag dies hier:

Zugreisen lassen sich sehr gut zum Stricken nutzen, und der Kaffee wird einem sogar an den Platz gebracht.

Mit ein ganz bisschen Verspätung trafen wir dann in Salzburg ein und hatten dort noch eine Übernachtung eingeplant, so dass wir abends einen schönen Stadtbummel gemacht haben.

Salzburg ist wunderschön, aber sowohl der Sohn als auch in sind eher Naturmenschen und waren froh, am nächsten Tag an den Mondsee weiterzureisen. Dort war erstmal Regenwetter.

Wir haben uns die Zeit aber gut vertrieben. Und Baden geht auch, wenn es regnet. In den nächsten Tagen wurde es dann aber wärmer, so dass wir froh waren, dass zu der Ferienwohnung auch eine kleine Badestelle gehörte (auch dorthin reiste mein Strickzeug mit):

Wir haben uns also in der nächsten Zeit im und auf dem See getummelt. Zu meinem Geburtstag gab es eine Seerundfahrt und danach eine vom Sohn spendierte Pizza.

Wenn wir nicht im Wasser waren, sind wir durch die Gegend gewandert, das strengt zwar manchmal an, aber gibt auch viel Kraft und gute Gedanken.

Ich liebe ja die alpine Pflanzenwelt und habe mich gefreut, dass wir dieses Jahr sogar einige Enziane gesehen haben.

Alles in allem also ein sehr schöner Urlaub! Etwas getrübt wurde er von einem sehtechnischen Schrecken, weil ich im Urlaub eine Glaskörperabhebung hatte und einen Tag in der Salzburger Augenklinik verbringen durfte. Aber auch das war nicht sooo schlimm, und so bin ich dann voller Farbeindrücke wieder hier und hoffe, dass ich davon einiges auf die Wolle bringen kann.

Wenn …

Als ich die buntgefärbte Sockenwolle für mich entdeckte, waren für mich sehr schnell Tweedgarne die absoluten Favoriten. Und als ich begann zu färben, kam schnell der Zeitpunkt, dass ich auch (unbedingt) auf Tweed färben wollte. Das war damals aber gar nicht so einfach, denn für die einzige Kaufquelle für Tweedgarn in Deutschland benötigte man damals einen Gewerbeschein und musste somit gewerbliche Wollfärberin sein.

Das war die Geburtsstunde des Buntfadens 🙂

Vor einigen Wochen nahm einer meiner “Wolldealer”, bei dem man auch als Ottonormalverbraucherin einkaufen kann, nun auch Tweedgarne ins Programm. Somit kann ich nun neben dem hochedlen britischen Tweed (um den ich wegen des Brexit fürchte) auch wieder soliden weichen deutschen Tweed ins Programm nehmen … und mich darüber freuen, dass der Tweed für Ottonormalverbraucherinnen erst jetzt erreichbar wird. Denn sonst hätte es den Buntfaden womöglich gar nicht gegeben.

Kellergesang

Nach einiger Zeit der Trauer in meiner Familie taste ich mich – nun in der Vorweihnachtszeit – wieder an die Wolle und die Farben heran. Und: Weihnachtsstimmung geht immer. Man stelle sich also eine weihnachtsgestimmte Wollfärberin in ihrem Färbekeller vor. Und Weihnachtslieder. Natürlich. Weihnachtslieder. Und weil mir bei diesem Strang immer nur mein Lieblingsweihnachtslied in den Sinn kam, heißt der nun auch so. Mal sehen, ob da noch mehr geht.

Gruslig oder kirchlich

Der 31. Oktober ist ja in einigen Bundesländern inzwischen ein Feiertag. Ich glaube, wenn mein Sohn erwachsen ist, wird dieser Tag dann in der irrigen Annahme als Halloween-Feiertag begangen, zumal sich dieser Anlass doch auch viel besser vermarkten lässt als irgendso ein lutheranischer Reformationstag.

Um ein Bindeglied zwischen beiden Feierlichkeiten zu finden, habe ich einen herbstlichen Strang gefärbt und ihn kurzerhand “Martins Kürbis” genannt.

So lebt denn auch der alte Luther in den modernen Bräuchen fort.

Für meinen Vater

Mein Vater leidet an Demenz. Er hatte in den letzten Wochen einen schweren Schub und verschwindet zusehends. Es ist für uns alle schwer zu ertragen.

Gestern habe ich – gemeinsam mit meinem Sohn – versucht, den Film “Honig im Kopf” zu schauen, aber die Thematik ist uns derzeit zu nahe. Und als ich nach 20 Minuten zu meinem Sohn hinübersah, saß er dort tränenüberströmt, so dass wir diesen Film wohl ein andernmal schauen werden. Statt dessen haben wir uns lange umarmt und getröstet.

Dennoch beschreibt dieser Film die Krankheit so wunderschön.

Da im Moment meine Gedanken viel bei meinem Vater sind, und da ich hier diesen honigfarbenen Strang habe, wurde dies für meinen Vater ein Honigkopf.

Wald

Man könnte meinen, dass eine Wollfärberei so im Kellerchen vor sich hinfärbt und vor lauter Farben vom Rest der Welt nicht viel mitbekommt.

Das ist nicht so. Ich für meinen Teil verfolge die politischen Entwicklungen mit Sorge und finde den um sich greifenden Egoismus des Wohlstandbürgers oftmals traurig. Schon seit längerem versuche ich, eine nachhaltige Lebensweise zu führen, lasse das Auto stehen, wann immer ich es stehen lassen kann, unternehme keine großartigen Flugreisen mehr, versuche auch energietechnisch sparsam zu leben. Gewiss, immer glückt das nicht, aber ich tue mein Bestes.

Die Besetzung des Hambacher Forstes ist anfangs komplett an mir vorbeigegangen, dabei liebe ich den Wald und bin dort so gerne. Die Abholzung dieses Waldgebietes, einfach so, aus Prinzip, das find ich schrecklich, meine ganze Sympathie war bei den Besetzern dort. Die Bilder der Räumungsaktionen in den Nachrichten haben mich sehr berührt. Der Strang “Im schönen Wald” ist in diesen Tagen entstanden, meine Gedanken waren dort!

Der Herbst ist da!

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da,
Er bringt uns Wind, hei hussassa!
Schüttelt ab die Blätter,
Bringt uns Regenwetter.
Heia hussassa, der Herbst ist da!

Jedes Jahr, wenn die Tage wieder kürzer werden, wenn einen morgens frische klare Luft begrüßt, wenn sich allmählich der Nebel auflöst, jedes Jahr denke ich daran, wie mein Sohn im Kindergartenalter mit Begeisterung dieses Lied intonierte. Natürlich nicht nur im Herbst. Das ging immer. Heia Hussassa!

Ich mag den Herbst und all die Farbpracht, die er mit sich bringt.

Darum sind im Shop schon die ersten Herbsteinhörner aus superweicher dicker Sockenwolle gelandet und andere Herbststränge folgen nach, so diese hier:

Auch dies ist auf wunderbar dicker Wolle gefärbt. So kommt Ihr garantiert mit warmen Füßen gut über die Runden!

Es herbsteinhornt

Nach diesem wunderschönen, schier endlos lang scheinenden Sommer kommt nun (endlich!) der Herbst. Ich liebe Sonnenschein und lange helle Tage, aber noch mehr liebe ich es, wenn es allmählich frischer wird, wenn man das bunte, rotgoldene Laub quasi riechen kann, wenn immer der Hauch eines Herbstfeuers in der Luft liegt. Ich freue mich schon darauf, abends ein Kaminfeuer anzuzünden und es mir mit meinem Strickzeug davor gemütlich zu machen.

Darum läute ich auch hier im Buntfaden-Shop den Herbst ein. Neben allerlei goldrotbraunen Strängen findet Ihr auch nach und nach “Herbsteinhörner”, regenbogenbunt gefärbte Stränge kombiniert mit einem herbstlichwarmen Goldbraunton. Ich habe sie auf der dicken Sockenwolle von Schmusegarn gefärbt, das sich so wunderbar weich anfühlt und so schnell und schön stricken lässt.

Viel Spaß! Let’s go herbst!

Eine Reise nach der Reise

Es ist ja nicht so, dass ich morgens aufwache und mir überlege: “Heute mische ich Türkis und Grün und tauche die Wolle da rein und streusle sie dann in Lila.” Also okay, ich wache manchmal mit solchen Gedanken auf, aber meistens überkommt es mich erst und danach wird da wieder was ganz anderes draus.

Dennoch gibt es viele Färbeideen, die ich annähernd so verwirkliche, wie sie mir dann im Laufe des Tages kommen.

Und manchmal gibt es Wollstränge, die mich während des Färbens mit auf eine Reise nehme. Vielleicht geh ich damit in Serie. Denn das sind tolle Reisen, die ich da mache.

Diesen Strang hier wollte ich eigentlich so hellgrau mit ganz hellgrau färben und ihn dann an einigen Stellen bestreuseln. Tja, irgendwie hatte ich wohl zuviel Farbpulver in den Topf geworfen. Denn der Strang wurde richtig dunkelgrau. Ich hatte ihn an einigen Stellen abgebunden, an denen er dann ganz hellgrau werden sollte. Dort wurde er dann aber nur helldunkelgrau. Das mit den Streuseln wurde auch nicht so recht. Aber dennoch entstand plötzlich ein ganz eigener, wenn auch finsterer, Zauber.

Urlaubiges

Aus dem Urlaub mitgebracht habe ich viele Eindrücke und Ideen. Die Weite der Landschaft auf Ameland war so wohltuend. Und ich werde ganz sicherlich eine Sandbank färben mögen. Oder einen Leuchtturm? Wir werden sehen!