Irgendwie seltsam

Hm. Ja. Eigentlich wollte ich diesen Tweed nicht mehr befärben. Ich hatte vor einiger Zeit kiloweise Tweed, und dann fühlten sich die Stränge so holzig an, und das wurde auch nach dem Färben nicht besser, und so mochte ich das nicht verkaufen. Aber. Ich liebe Tweed. Vor allem eben genau diesen mit den bunten Nöppchen. Und wenn ich jetzt so weitermache, wird dies hier eine unendliche Geschichte. Das muss ja nicht sein.

Also, uneigentlich habe ich mir noch mal ein Kilo Tweed bestellt und befärbe den jetzt. Bei Tweed ist mir immer ganz herbstlich zumute, ein Sommergarn ist das schon mal wirklich nicht, das steht fest. Also Herbstfarben. Ich hab auch ein paar neue Brauntöne. Einer davon heißt Trüffel. Voller Vorfreude begoss ich nun meinen Tweed mit Trüffel und bekam … Aubergine. Eigentlich auch nicht schlecht, wenn auch nicht das Ergebnis, das ich mir gewünscht habe. Irgendwie seltsam halt. Ich sitze nun hier am Schreibtisch und möchte diesen seltsamen Strang in den Shop stellen, und ein Name fällt mir nicht ein. Ich quäle und quäle mich, aber kein Name in Sicht. Seltsam ist der Strang, aber ein toller Name ist das nicht. Wie gut aber, dass man ja dank googlerischer Translator-Künste polyglott ist. Und da wir nun in Schweden waren und Schweden nun mein Herzensland ist … Egendomlig macht was her, oder?

Hier also der seltsame Strang “Egendomlig”!

Amaryllis

Als ich vor 14 Jahren mit meinem Sohn schwanger war, bekam ich von meiner Mutter eine Amaryllis geschenkt. Sie ragte kaum aus dem Blumentopfboden, hatte aber schon zwei dicke Knospen. Und so beschloss ich, ein “Wettrennen” zu starten. Was wäre wohl eher da, eine Amaryllisblüte oder mein Baby. Der Sohn war Erster, naklar! Aber immer noch liebe ich diese irgendwie dinosaurierartigen Blüten. Jedes Jahr habe ich etliche davon auf meinen Fensterbänken stehen. Amaryllis kann sogar ich, sie brauchen nicht viel Wasser oder Dünger oder so. Sie wachsen einfach und blühen und sind irgendwann damit fertig. Und die Blüten sind so riesig und so farbschön und einfach – vor allem in dieser Jahreszeit – ganz wunderbar.

Das hab ich dann mal versucht zu färben. Ob es nun wunderbar ist, mag dahingestellt sein, aber ich mag meine Amaryllis.

Es leuchtet im Novembergarten

Mein Garten ist vor lauter Herbst schon ganz grau und braun. Und ich habe mich dieses Jahr nach einem fleißigen Anfang im März auch nicht mehr so wirklich um den Garten kümmern mögen. Die Corona-Zeiten haben zuviel Energie gefressen, die dann dem Garten nicht mehr zukommen konnte. Ich mochte schon gar nicht mehr in dieses unaufgeräumte Graubraun schauen. Aber als ich es dann neulich doch kurz tat, blitzte unter all dem heruntergefallenem Laub und den verwelkten Stauden ein kleiner orangener Kürbis hervor. Und wie schön der geleuchtet hat. Mir wurde gleich ganz orangig zumute!

Inspiration durch die Nachbarschaft :-)

Unsere Nachbarn haben einen viel ordentlicheren Garten als wir. Mein Tag hat zu wenige Stunden, und das sieht man unserem Garten an. Aber ihren Wilden Wein haben die auch nicht recht im Griff, und so muss ich die Pflanze auf unserer Seite einige Male im Jahr beschneiden, damit wir noch etwas von unserer Terrasse haben. Das ist aber nicht schlimm. Im Sommer bildet das für meine Tomatenpflanzen ein Dach und schützt sie vor Regen von oben. Und im Herbst haben wir ein wunderschönes Farbenspiel. Das hat mich inspiriert, wie Ihr seht!

Wo die flauschigwolkigweichen Einhörner leben

Die Gipfel der Anden sind sagenumwoben und geheimnisumwittert. In viele Gebiete dort hat sich noch kein Mensch vorgewagt. Aber über ihre Bewohner geistern seit vielen Jahren Geschichten herum, die man sich gern abends am Lagerfeuer erzählt. Denn das weiß ja jedes Kind, in den Anden gibt es kein Internet und kein Facebook und auch kein Buntfadenshopping. Social Media heißt dort, dass man sich ums Lagerfeuer setzt und eben diese Geschichten erzählt … zum Beispiel über die flauschigwolkigweichen Einhörner. Diese leben ganz oben, dicht unter den Gipfeln der peruanischen Anden. Besonders dicht ist ihre Besiedlung auf dem berühmten Berg Coropuna, der im Volksmund auch Unicorniopuna genannt wird, was sich wiederum aus dem spanischen Wort für Einhorn, Unicornio ableitet. Und natürlich ist es auf solchen schneebedeckten Wipfeln bitterkalt. Wen wundert es da, dass diese flauschigwolkigweichen Einhörner ein wundersam wärmendes weiches regenbogiges Fellchen haben. Ich habe ein paar davon ergattern können und hab gleich eines hier für Euch: das Cottonwoolly Unicorn.

Manche Leute sagen auch, dass dieses flauschigwolkigweiche Fell eigentlich aus der wunderbartollen Merinowolle besteht, zu der dann noch das noch wunderbartollere Pimacotton kommt. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Und eigentlich find ich Lagerfeuergeschichten viel schöner.

Euch einen tollen Sonntag!

Express-Strickding

Schon vor einigen Wochen hab ich aus England ein ganz tolles Garn geschickt bekommen. Ich liebe die Blueface Leicester Garne. Sie sind robust und weich und außerdem so wunderbar verzwirnt. Ich habe den ersten Strang ganz toll gefärbt und wollte ihn dann aber lieber probestricken, um zu schauen, was ich Euch da so anbiete und ob meine Haspelberechnungen so hinkommen, dass diese Stränge wildern können. Leider wollte ich vorher aber noch einen anderen Strang probestricken und wurde und wurde nicht warm damit und brauchte über zwei Monate für das Paar. Und somit proudly presente ich erst sehr spät das wunderbarste Sockengarn überhaupt, ideal für die allerallerkuschligsten, zugleich aber stabilen Herbstsocken. Es saugt die Farben so gut auf, dass es wirklich ganz fröhlichintensiv bunt ist. Einfach toll! Ich bin begeistert. Es hat eine Lauflänge von 425 m auf 100 g, Zusammensetzung: 75% Schurwolle und 25% Nylon, natürlich superwash. Die Wolle stammt – wie gesagt – von den ganz schönen Bluefaced Leicester-Schafen. Ich habe letzten Freitag angefangen und hatte natürlich nicht wirklich viel Zeit zum Stricken, wie es halt immer so ist. Aber dafür, dass ich mich durch das vorherige Sockenpaar über Monate plagte, bin ich gut vorangekommen. Davon möcht ich mehr! Und wildern tut es eigentlich wohl auch.

Über Goldschätze, und wo sie zu finden sind :-)

In Irland gibt es – das ist klar – allerhand Fabelwesen, unter anderem natürlich auch Kobolde, und die heißen dort “Leprechaun”. Das spricht man Lepruhkon aus, so ungefähr, Gälisch ist ja nicht ganz einfach. Der Leprechaun ist ein sehr schüchterner Geselle, und geizig ist er auch noch. Und er bewacht einen Schazt, nämlich einen Topf mit Gold. Der ist gut versteckt, und der Leprechaun vermacht ihn an diejenige Person, die ihm das Geheimnis des Verstecks entlocken kann. Dazu muss man den erst mal fangen, den Leprechaun, das ist gar nicht so einfach. Wäre ja auch noch schöner, wenn man so einfach an einen Topf Gold käme. Dazu muss man ihn, der ja sehr scheu ist, an den Schultern packen und ihm dann folgen. Einfacher ist es vielleicht, sich am Lieblingsversteck des Leprechauns zu orientieren, oft findet sich dessen Goldtopf nämlich am Ende des Regenbogens, und Regenbögen kommen in Irland gar nicht mal so selten vor. So färbte ich auf Tweed einen Regenbogen, und so könnt Ihr das ja als kleinen Wegweiser zum goldenen Schatz des Leprechauns nehmen 🙂

Warme Pinguine

Mein Chef, der war im letzten Jahr in der Antarktis. Und er hat so schöne Bilder mitgebracht. Am meisten haben mich die zahllosen Pinguine beeindruckt, und während eines Diavortrags meines Chefs fingen meine Färbegedanken an, auf Wanderschaft zu den Eisbergen zu gehen. Pinguine, die könnte man doch gut färben, so dachte ich mir. Und so hab ich also angefangen mit einer Pinguinserie. Damit Euch in Gedanken an die antarktischen Eisvögel nicht zu kalt wird, habe ich dazu die schöne weiße dicke Luxussockenwolle von Schmusewolle genommen. Es macht richtig Spaß, Pinguine zu färben, ich hoffe, dass ich noch einige mehr davon produziere. Jeder ist aber ganz verschieden von den anderen, so wie das bei Pinguinen eben so ist.

Über das Bunte

Ich liebe Farben (das ist praktisch, wenn man Wolle färbt).

Ich liebe vor allem Regenbögen, und ich färbe sie gern. Noch schöner als das Färben von Regenbögen ist aber das Verstricken von Regenbögen.

Gestern abend hab ich mit dem wunderwunderweichen Lacegarn von Schmusewolle einen Drachenschwanz begonnen. Ich stricke ja sozusagen monothematisch. Wenn ein Muster für tauglich befunden worden ist, dann halte ich damit eisern durch. Bei den Socken ist es das wunderbare Abwärtsmuster, und für Tücher muss eben der Drachenschwanz her, der ist bewährt, der trägt sich gut, den kann ich.

Naja, und die Krönung von allem ist nun ein Einhorn-Regenbogen-Drachenschwanz. Ich mochte gar nicht mehr aufhören zu stricken, und ich hoffe, dass ich über die Feiertage damit fertig werde und außerdem noch ein bisschen mehr regenbogige einhornige Tücherwolle färben kann.

Herr von Ribbeck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Theodor Fontane)