Bunte Fenster

Was war zuerst? Das Huhn? Das Ei? Der Strang? Die Farbe? Der Name?

Am Anfang meiner Färbelaufbahn habe ich bestimmte Dinge im Sinn gehabt und dann versucht, das auf der Wolle auszudrücken. Dementsprechend hießen die Stränge dann Ringelblume oder Honigdings oder so.

Inzwischen ist es meist eher so, dass die Farbe über mich kommt und dann über die Wolle, und dann ist alles bunt, und ich hab das auszubaden, denn der Strang möchte ja einen Namen haben. Der soll dann auch noch passen.

Manchmal sitze ich da und grüble und grüble, bis etwas passendes zu Tage kommt. Aber manchmal springt es mich auch an.

Bei diesem Strang hab ich zuerst an irgendwas mit Brombeeren gedacht. Aber dann musste ich an Kirchen denken. Wie man da so in einer oftmals eher halbdunklen Kirche sitzt und die Fenster betrachtet. Und von außen scheint ein Sonnenstrahl auf die bunten Scheiben und bringt alles zum Leuchten, so dass man sich ganz hm ja erleuchtet fühlt.

Das ist also mein Kirchenfensterstrang. Ich mag den!

Oooops

Grün schwebte mir vor. Grün sollte die Grundfarbe meines Stranges werden, danach wollte ich weitersehen. Ich habe mir also ein Gläschen zurechtgemixt, gab es in meinen Färbetopf und tunkte.

Ooooops.

Braun gefällt mir auch gut, aber mir schwebte doch Grün vor. Danach hab ich dann etwas improvisiert und einfach noch dies und das zugegeben.

Man könnte diesen Strang jetzt wunderschön „Ode an den Herbst“ nennen. Oder „Herbstlicher Blätterhaufen“. Oder so.

Aber es ist Mai.

Darum heißt er jetzt „Petit Malheur“.