Akustische Überlastung führt leicht zu Funkenflug

Wie ich neulich schon schrieb, mag mein elfjähriger Sohn inzwischen auch mal ganz gern mit in den Färbekeller gehen. Am Wochenende hatten wir uns überlegt, was wir färben mögen. Für den Sohn hatte ich einen Tweedstrang aus meinen alten Resten vorbereitet, und ich hatte mir unter anderem einen bunten Chester-Tweed zurechtgehaspelt, um noch ein Kaleidoskop färben zu können.

So ging es dann los. Der Sohn wollte gern das neue PatchworkPro-Rot probieren, und ich wollte mich eben an das Kaleidoskop machen. Ich rührte ihm einen Becher Rot an und dachte, er sei nun etwas beschäftigt, aber er erzählte und färbte und verlangte nach Gelb, weil nicht überall Rot sei und erzählte und erzählte, dass es einerseits eine wahre Freude war, andererseits etwas schwer, sich so insgesamt zu konzentrieren.

Dann war mein Kaleidoskop fertig zum Fixieren, und ich war etwas verwundert, so in dem Teil meines Hinterkopfs, der nicht mit dem Geplauder des Sohns beschäftigt war. Die Wolle glänzte gar nicht so, wie ich es von der Chesterwolle gewohnt war. Nunja, ich fixierte und schaute dann dem Sohn über die Schultern … Hmpf!

Hier des Rätsels Lösung:

Das ist mein Kaleidoskop.

Hier kommt der Strang des Sohns:

Seht Ihr, wie schön die Wolle glänzt? Und die schönen bunten Tweednoppen?

Irgendwie ist mir der “alte” Tweed untergekommen, und der Chestertweed landete beim Sohn. Immerhin hat er, besser als ich es jemals zuvor geschafft habe, ein wunderbar warmes Rot hinbekommen. Auch das Gelb hat er gut eingearbeitet, ein schöner semisolider Strang ist dabei herausgekommen. Er nennt es “Funkenflug”.

 

Effekthascherei

Von der Firma Supergarne kommt ein neues Garn, von dem ich probehalber einige Stränge bestellt habe. Mir gefällt es – vor allem gefärbt – sehr gut. Es ist nicht nur durch die Multicolor-Effekte (sic!) schön anzuschauen, nein, es ist auch sehr weich. Und ich kann mir vorstellen, dass daraus sehr schöne Socken oder Schals oder Mützen oder Tücher werden. Die ersten zwei Stränge habe ich gefärbt und stelle sie in den Shop.

Wenn es Anklang findet, werde ich mehr davon bestellen.

Zu profan

Ich bin ja eigentlich keine Freundin des Denglischen. Warum soll man etwas in falscher Fremdsprache ausdrücken, was sich mit einem stinknormalen (deutschen) Wort viel besser und treffender formulieren lässt? Man nehme das Handy. Nein rufen Sie nicht an! Ich rede nur von dem Wort. Klar gibt es das im Englischen, aber es ist ein Adjektiv und heißt “handlich, praktisch” etc. Wenn ich bei der Arbeit mit unserem Hausmeister einen Kaffee trinken möchte, dann gehe ich mit ihm nicht ins Café (was ja auch schon ein Fremdwort ist), nein, wir sitzen in der Coffee Lounge, und noch schlimmer, es ist nicht mehr der Hausmeister, neinnein, es ist der freundliche Mitarbeiter vom Facility Management. Bei der Bahn kaufe ich meine Fahrkarte nicht mehr am Schalter, sondern am ServicePoint usw.

Und nun komm ich. Da hab ich einfach mal so eine regenbogige Sockenwolle gefärbt. Und wenn ich doch über Handy und ServicePoint ablästere, dann sollte ich sie doch auch einfach Regenbogen nennen. Aber irgendwie ist die so bunt, da ist mir der Regenbogen zu profan, und ich finde, da hört sich etwas Italienisches viel bunter an. Und darum heißt das jetzt: Arcobaleno!

Ringeldinge

Ich mag ja diese GumGum-Socken. Jede Reihe eine neue Farbe, das ist superbunt und schön. Da hab ich mir gedacht, man müsste es doch auch so färben können, dass sich beim Sockenstricken ein ähnlicher Effekt ergibt wie beim GumGum. Eine Reihe einfarbig, die nächste buntbuntbunt. So kam ich auf die Idee, die Ringelreihen zu färben.

Wenn man Glück hat, klappt es sogar beim Abstricken. Hier mal ein kleines Beispiel:

Zuerst habe ich die Ringelreihen auf Hightwist von Zitron gefärbt, aber im Moment erscheint mir das BFL-Hightwist von Chester Wool passender.

Hier kommt ein neuer Kandidat, ganz frühlingshaft:

Zeit

Als ich meine ersten Stränge zum Thema “Rückblick in Farbe” färbte, nahm ich mir fest vor, sobald wie möglich selbst einen davon zu verstricken, um zu schauen, ob das, was ich ausdrücken wollte, auch ausgedrückt wird. Tja, leider hab ich das erst mal nicht geschafft. Inzwischen verwende ich ein ganz anderes Tweedgarn, was mich gerade zu diesem Thema viel mehr überzeugt, weil es so wunderbare monochrom wirkende Noppen hat.

Nun wollte ich aber doch mein Vorhaben umsetzen und habe mir sofort einen Strang auf die Seite gelegt und dann auch mit dem Stricken begonnen.

Von dem Ergebnis bin ich dann auch schwer begeistert und mag inzwischen die Socken kaum noch ausziehen. Nicht nur, dass es ein wunderbar wilderndes Muster ergeben hat, nein, die Wolle selbst ist einfach nur hach! Wie eine weiche leichte Wolke schmiegen sich die Socken an die Füße. Ich bin verliebt!

Und weil das Stricken damit solch einen Spaß gemacht hat und weiter machen wird, habe ich mir noch eine neue Serie ausgedacht, deren erster Prototyp heute in den Shop wandert. Voila, ich präsentiere stolz das “Kaleidoskop”!

Der Effekt des hellen und des dunklen Graus ist ähnlich dem der “Rückblick”-Serie, aber anstelle einer einzigen Knallfarbe kommt hier der Regenbogen zum Einsatz. Und um das noch schöner wirken zu lassen, habe ich den bunten Donegal Tweed von Chester Wool verwendet. Ich hoffe, ich komme auch bald in den Genuss, das zu verstricken!

Aber auch das ist wohl, um auf die Überschrift zurückzukommen, eine Frage der Zeit!