Kürbis im Herbst

Mir wird, wenn der Sommer langsam geht, immer so orange zu Mute. Die Tage werden kürzer, und die Abende bringen schon kühle Luft und den Geruch von Laub und Kaminfeuer mit sich. Und mir wird orange. Wenn der August sich verabschiedet und der September kommt, dann kann ich gar nicht anders, ich muss eine Kürbissuppe kochen. Dabei mag ich Kürbissuppe noch nicht einmal so besonders gerne essen. Aber die Vorstellung, so etwas Weiches, Leuchtendes, Warmes zu produzieren und auch zu essen, bringt mir für eine Zeit den Sommer zurück und macht mich zufrieden und glücklich.

Und so hatte ich – seit ich Wolle färbe – am Sommerende nicht mehr nur den Wunsch nach weichen, leuchtenden, warmen Suppen. Vielmehr wollte ich genau dieses Gefühl auch in die Wolle bringen. Letzten Herbst hab ich das irgendwie nicht so richtig geschafft. Aber da ich nun ja mit dem absolut traumhaft fluffigen High Twist Garn von Atelier Zitron arbeite, hatte ich endlich Erfolg. Ich färbte nach Herzenslust und wild durcheinander in Goldgelb, Orange, Ocker, Rot und Grün. Dann hängte ich den ersten Strang zum Trocknen auf. Als er trocken war, war ich glücklich. Der Strang ist für mich perfekt: Weich, leuchtend, warm!

Der Sohn sah es und rief: „Mama! Kürbissuppe! Die darfst Du nicht verkaufen, das werden meine Socken!“

So wurde heute der Strang zum Knäuel, und das Knäuel wird in den nächsten Tagen hoffentlich zu Kürbissuppensocken für den Sohn.

Aber weitere Stränge Kürbissuppe hängt schon zum Trocknen und bereitet sich auf den Shop vor.

 

Veränderungen

Heute auf dem Heimweg wurde ich verändert. Nunja, so ganz war es nicht. Aber irgendwie hatte ich zwei oder drei Sekunden Besinnungszeit und dachte an den Buntfadenshop und an die Stränge, die ich in den nächsten Tagen färben mag, und daran, sie hier in den Shop einzustellen. Und da merkte ich, dass sich mein Färbeverhalten etwas geändert hat. Abgesehen davon, dass ich immer mal wieder Färbepausen mache, dann manische Färbephasen habe und dann wiederum ganz entspannt vor mich hinfärben kann … Am Anfang meiner Färbezeit hab ich noch nicht so recht gewusst, was ich da eigentlich tue, und mehr oder weniger zufällig Farbe, die auch mehr oder weniger zufällig den von mir gewünschten Ton traf, auf die Stränge geträufelt.

Inzwischen ist meist schon lage vor dem eigentlichen Färben die Idee der jeweiligen Färbung da. Es sprudelt in meinem Kopf herum, immer neue Kombis, immer mehr, das strengt an. Ich führe darum inzwischen Listen …

Wenn in den Shop schaue, hab ich viele „Einzelbuntfäden“, aber immer öfter kommt mir eine Färbeidee, die ich dann quasi in Serie auf den Strang bringen mag, zB die Rückblick-Stränge, von denen noch etliche produziert werden sollen. Oder die Pfauen. Mal bestücke ich eine dieser Serien intensiv, mal weniger. So bin ich zB im Moment auch mit den Einhörnern sehr gründlich befasst und hab noch eine Serienidee dazu parat (der Prototyp trocknet grad).

Weil die alte Kategorienstruktur dazu  nicht mehr so recht passte, hab ich einiges geändert und bin noch dabei. Ich hoffe, es wird bald fertig. Bestellen könnt Ihr natürlich dennoch. Ich hoffe, es wird dann übersichtlicher!

Strand und mehr oder Meer

Wir waren im Urlaub. Also, ich und der Sohn. Am Meer. Am Strand. Im Pommes- und Pfannkuchenland. Es war sehr erholsam. Und ich habe mir die ganze Zeit überlegt, welche Eindrücke ich für den Buntfaden mitnehme. Nun sind wir schon seit einiger Zeit wieder da, und es hat auch einige Wochen in mir rumort und gedingst.

Und voila, ich hab ein Buntfaden-Ei gelegt. Es entsteht: Das Strandgut!

Übrigens, wenn man auf Texel ist, kann man ein wunderbares Museum anschauen, das Kaap-Skil-Museum in Oudeschild. Strandgut gibt es dort auch.

bunt!

Im November werde ich zum zweiten Mal Tante. Schon für meine kleine Nichte habe ich vor zwei Jahren dann fleißig gestrickt. Nun wird es ein Neffe, und für den wird es bunt! Seine Decke wächst und wächst und ist – auf High Twist von Atelier Zitron gefärbt – wunderbar weich!

 

Alles so schön bunt

Jede Generation hat ja so ihren eigenen Blick auf die Vergangenheit. Von meinem Sohn gibt es unendlich viele Kinder (er ist ja auch ein so schönes Kind ;-)). Aber Alben gibt es von ihm nicht viele. Die meisten Bilder befinden sich auf externen Festplatten oder in irgendwelchen Clouds. Und alles ist so schön bunt.

Da mein Vater Photograph ist, gibt es auch von mir sehr viele Bilder, allesamt kunstvoll in wunderschönen Alben. Die Bilder meiner Kindheit sind – des künstlerischen Ausdrucks willen – teilweise in schwarz/weiß, aber auch Farbbilder sind in reichlicher Zahl vorhanden. So kann mein Sohn, wenn er sie betrachtet, sehen, dass ich bunte Kleider trug, blondes Haar hatte und im Sommer goldbraun gebrannt war.

Aus der Kindheit meiner Eltern gibt es nicht soviele Bilder. Das mag kriegsbedingt sein. Aber sicherlich liegt es auch daran, dass Photoapparate und vor allem Filmmaterial damals hohes Luxusgut waren. Als ich ein Kind war, habe ich die Bilder meiner Eltern in den Alben neugierig betrachtet. Und oh Wunder: Meine Eltern hatten schwarzes Haar und weißgraue Haut. Sie trugen gräuliche Kleidung, und auch ihre Eltern – meine Großeltern – waren nicht viel bunter. So hätte ich meine Mutter oder meinen Vater manchmal sehr gern gefragt, ob sie damals wohl schon bunt waren, und wenn ja, welche Farbe sie wohl gehabt haben mögen.

Heutzutage gibt es technische Möglichkeiten, eine farbige Digitalphotographie zu entfärben und monochrom darzustellen. Man kann sogar Flächen auswählen, die ihre ursprüngliche Farbe behalten, so dass zB in einer grauschwarzweißen Landschaft eine rote Blüte noch viel mehr leuchtet, als stünde sie selbst in einem Farbenmeer.

Diesen Effekt finde ich toll, und den wollte ich – verbunden mit dem Gedanken an eine womöglich monochrome Vergangenheit – auf Wolle färben.

Das Ergebnis gefällt mir gut und landet demnächst im Shop!