Wie das mit den Pfauen ist

Manchmal findet man zu den seltsamsten Zeiten Dinge über sich selbst heraus. Ich zum Beispiel dachte von mir stets, ich sei ein relativ unstrukturierter Chaot. Anfang des Jahres aber stand ich vor zwei Herausforderungen: Die erste hatte eigentlich nichts mit Wolle zu tun. Ich musste aber meinen Sohn täglich in die Ferienbetreuung in ein anderes Dorf bringen, zudem war ein Teil meines Arbeitsfußweges wegen einer Baustelle gesperrt. Dadurch änderte sich meine sehr eingefahrene Morgenroutine drastisch. Und sehr erstaunt merkte ich, wie schwer ich mich damit tat. Nun aber zurück zur Wolle … denn die zweite Herausforderung hatte sehr wohl damit zu tun. Ich arbeitete intensiv an der Gestaltung des Buntfaden-Shops, der meinen DaWanda-Shop ablösen sollte. Mir wurde klar, dass ich nicht einfach Wollstränge präsentieren könnte, im Gegenteil, der Shop musste dringend Strukturen bekommen.

Aber wie? Aber welche? Meine treuen lieben Stricklieseln aus einem liebgewonnenen Forum standen mir mit Rat und Tat zur Seite … so kam ich schnell von verschiedenen Möglichkeiten ab. Meine Vorstellung war, es würde einfarbige Stränge geben, die man mit den Buntfaden-Unikaten kombinieren könnte. Außerdem wollte ich die Buntfaden-Unikate zu “Multikaten” machen und reproduzieren. Gewissenhaft notierte ich mir bei jedem gefärbten Strang die Farbmischverhältnisse. Und merkte schnell, wie mir der Spaßfaktor flöten ging. Meinen treuen lieben Stricklieseln übrigens auch. Die möchten Unikate. Und ich möchte Unikate färben. Also entschied ich mich gegen eine Reproduktion von Strängen.

Tja. Zeitgleich kam mir eine Färbeidee. Dunkelbraun/Anthrazit. Mit schillerndem Lilablautürkisgrün. Wie ein Pfau. Und ich wollte das färben. Aber es ging nicht. Meine Idee sah so schön aus in meinem Kopf, dass ich mir dachte, ich würde traurig werden, wenn ich sie “weggefärbt”, verbraucht hätte und nur einmal färben könnte.

Ratlosigkeit machte sich breit. Denn außerdem machte mich meine Produktgliederung hier im Shop ganz unzufrieden, es stimmte einfach hinten und vorne nicht, die Namen waren zu gewollt originell, es war nicht so, wie ich es gern hätte.

Dann saß ich an einem Nachmittag nach einer langen Betriebsratssitzung mit meiner Kollegin im Büro und besprach mich mit ihr und musste immer wieder ihren Pulli in Kombination mit ihrem Halstuch bestaunen. Steingrauer Pulli, dazu ein Halstuch, das lilablautürkisgrün schimmerte. Und dann kam der Klickmoment, und die Pfauen waren geboren. Das Lilablautürkisgrün geht in Serie. Ich färbe Pfauen. So haben wir bislang den Rosmarinpfau, den Grauen Pfau, den Apfelgrünen Pfau, den Hellblauen Pfau und den Jeans-Pfau. Und das kann so weitergehen, denn ich liebe diese Farbkombi. Ich habe meine Serie, und wir alle haben Unikate. Denn jeder Pfau ist ganz anders als die anderen Pfauen. Jedes Lilablautürkisgrün ist ganz anders gefärbt als die anderen Lilablautürkisgrüne.

Gleichzeitig sortierten sich meine Kategorien, wir haben jetzt also die einzigartigen Buntfäden, kunterbunten Serienfäden. Und das war es. Einfach und gut. Find ich.

Das war das mit den Pfauen 🙂

Freitag – Freutag

Guten Morgen 🙂

Heute ist bei uns Zeugnistag, der Sohn des Hauses – seines Zeichens begeisterter Buntfadensockenträger – weilt außer demselbigen. Ich habe gestern fleißig gehaspelt und hoffe, dass ich heute abend im Keller neue Fäden färben kann, einige Einhornpupse, vielleicht einen Pfau, mal sehen.

Wenn ich großes Glück habe, kommt heute noch meine neue Haspel an, die hoffentlich etwas leichtgängiger ist als die alte, die nun aber auch schon einen treuen anstrengenden Dienst versehen hat.

Ran an die Pötte also!